Sucht man Gudrun Krügers Kunst möglichst knapp zu charakterisieren,
so bietet sich einerseits der Verweis auf das Naturhaft-Biologische,
andererseits der auf das Geometrische an. Lange bevor der Begriff
der "Neuen Ornamentik" in Umlauf kam, beschäftigte sich
die Künstlerin intensiv mit der Frage der Absicherung abstrakter Formen
am Fundus der Natur und an der Regelhaftigkeit klarer Flächen-
und Raumbeziehungen. Dabei bedurfte es keines raffinierten Brückenschlages,
stellt die Natur doch selber ein unerschöpfliches Repertoire regulärer
und ornamental wirkungsvoller Formfügungen zur Disposition. Freilich,
diese Muster dienten Gudrun Krüger niemals als direkte Vorbilder,
vielmehr als Leitwerte für eigenwillige Umformungen und Paraphrasen.
In den frühen Zeichnungen und Plastiken ist der selbstgewählte Gestaltungsspielraum
verhältnismäßig frei genutzt. Mit den Jahren verstärkte sich die Neigung
zur ornamentalisierenden Klärung der Flächen- und Raumkompositionen.
Achsensymetrische Gliederung und - in letzter Konsequenz - zentralisierender
Ausgleich der Elemente traten an die Stelle komplizierterer Bezüge.
Mit den Rosettenbildern ist ein Maximum an dekorativer Wirkung erreicht;
gleichzeitig ist der Anschluss an alte Formtraditionen (man denke
an die Figurationen früher geometrischer Kunst, an die Mandalas des
Osten oder an die Rosenfenster der Gotik!) und auf besondere Weise
eine Nähe zur Natur (etwa zu Blütenformationen oder zu Eiskristallen)
gewonnen.
Gudrun Krügers Kunst ist einfach und beziehungsreich, abstrakt und
konkret zugleich. Als eine Art Natur-Supplement überzeugt sie den
Betrachter unmittelbar.